Wickeltechnik einfach erklärt

Wickelprogramme verständlich erklärt

Der Programmablauf bestimmt, wie die Stretchfolie am Packgut angelegt wird. Spiralwicklung, Kreuzwicklung und Zusatzfunktionen lassen sich passend zu Ladung, Schutzbedarf und gewünschter Stabilität kombinieren.

HEUER Touch 30 mit geregelter Vordehnung
Passend zum PackgutProgramme und Parameter werden auf die jeweilige Wickelaufgabe abgestimmt.

Grundprogramme

Spiral- oder Kreuzwicklung

Beide Programme beginnen unten am Packgut. Der wesentliche Unterschied liegt darin, ob der Folienlift nach der oberen Kopfwicklung endet oder erneut nach unten fährt.

Schematische Darstellung eines Stretchwicklers beim Spiralwickeln von unten nach oben

Unten → oben

Spiralwickeln

Die Folie wird unten am Packgut angelegt. Während sich die Palette dreht, fährt der Folienlift spiralförmig nach oben. Nach der eingestellten Kopfwicklung endet der Wickelvorgang.

Typischer Nutzen: kurzer Programmablauf und gezielter Folieneinsatz bei ausreichend stabilem Packgut.

Schematische Darstellung eines Stretchwicklers beim Kreuzwickeln von unten nach oben und wieder nach unten

Unten → oben → unten

Kreuzwickeln

Der Folienlift fährt zunächst spiralförmig nach oben und nach der Kopfwicklung wieder nach unten. Dadurch wird das Packgut in beiden Richtungen umwickelt; das Programm endet unten.

Typischer Nutzen: dichteres Wickelbild und zusätzliche Stabilisierung durch die Wicklung in beide Richtungen.

Schutz vor Folienbeschädigung

Sicherungswicklung vor der normalen Fußwicklung

Füllt das Packgut die Palette nicht vollständig aus, können Palettenkanten oder hervorstehende Bereiche die Folie beim Beginn der normalen Fußwicklung beschädigen oder durchstoßen. Dafür kann vorab eine Sicherungswicklung mit eigenen, schonenderen Parametern ausgeführt werden.

Je nach Packgut werden zunächst eine oder zwei Wicklungen locker um den unteren Bereich gelegt. Diese Folienlage schützt die nachfolgenden Fußwicklungen und vermindert das Risiko einer Beschädigung an der Palette.

Eigene Parameter für die Schutzlage

Vordehnung
deutlich reduzieren, beispielsweise von 300 % auf 100 %
Anlegespannung
niedrig und packgutschonend einstellen
Wicklungen
je nach Bedarf eine oder zwei Sicherungswicklungen
Danach
Fuß- und weitere Wicklungen mit den normalen Programmparametern

Durch die geringere Vordehnung bleibt die Folie dicker und widerstandsfähiger. Die passende Einstellung richtet sich nach Folie, Palette und Packgut.

Einstellbare Bestandteile

Fuß-, Kopf- und Flächenwicklungen

Die Anzahl der Wicklungen sowie die Geschwindigkeit des Folienlifts können passend zum Packgut eingestellt und in den Programmen gespeichert werden.

01

Fußwicklungen

Mehrere Wicklungen im unteren Bereich verbinden Packgut und Palette und geben der Ladung eine sichere Basis.

02

Steige- und Fallwicklung

Die Geschwindigkeit des Folienlifts bestimmt den Grad der Überlappung. Je langsamer der Lift fährt, desto stärker überlappen sich die einzelnen Folienbahnen. Je schneller er fährt, desto geringer wird die Überlappung – bis hin zu nahezu keiner Überlappung.

Die Anlegespannung wird unabhängig davon eingestellt. Sie bestimmt, wie locker oder straff die Folie am Packgut anliegt.

Besonderheit beim Kreuzwickeln: Auch bei geringer Überlappung entsteht durch das Wickeln nach oben und den anschließenden Rücklauf nach unten ein kreuzendes Folienbild, das dem Packgut zusätzliche Stabilität gibt.

03

Kopfwicklungen

Zusätzliche Wicklungen an der oberen Packgutkante stabilisieren den Abschluss der Ladung.

04

Banderolwicklung

Für eine Banderolwicklung fährt der Folienschlitten eine vorher im Programm festgelegte Höhe an und hält dort an. Anschließend wird das Packgut auf dieser Höhe mit der eingestellten Anzahl zusätzlicher Wicklungen umwickelt.

Höhe und Anzahl der Wicklungen können passend zur Ladung vorgegeben werden. Dadurch lassen sich einzelne Bereiche gezielt durch zusätzliche Folienlagen verstärken – beispielsweise die Übergänge zwischen übereinanderstehenden Tonnen oder Behältern.

Nach Abschluss der eingestellten Banderolwicklungen setzt die Maschine das gewählte Spiral- oder Kreuzwickelprogramm automatisch fort.

Zuschaltfunktion

Deckblattprogramm – auch Regenprogramm genannt

Hierbei handelt es sich um ein Deckblattprogramm, das mit Spiral- und Kreuzwicklung kombiniert werden kann. Die Bezeichnung „Regenprogramm“ beschreibt keine andere Programmausführung, sondern die Schutzwirkung des besonderen Wickelablaufs: Zuerst wird das Packgut seitlich vollständig bis zur Oberkante mit Stretchfolie umhüllt. Erst danach wird das Deckblatt wie eine Kappe über die bereits gewickelte Palette gelegt und anschließend mit einer weiteren Folienwicklung befestigt.

Entscheidend ist die Reihenfolge: Das Deckblatt liegt außen über der bereits vorhandenen Wicklung. Sein seitlich überstehender Rand bildet mit dieser Wicklung eine taschenartige Überlappung. Falls Regenwasser in diese Überlappung eindringt, gelangt es nur in den Bereich zwischen Deckblatt und der zuvor aufgebrachten Folienwicklung. Die bereits geschlossene Wicklung trennt diesen Bereich vom Packgut.

  1. 1

    Packgut vollständig wickeln

    Das Packgut wird zunächst von unten bis zur Oberkante seitlich mit Stretchfolie umhüllt und erhält die eingestellte Kopfwicklung. Diese erste Wicklung bildet die innere Schutzlage.

  2. 2

    Ein Stück abwärts fahren

    Nach der oberen Wicklung fährt der Folienlift ein einstellbares Stück nach unten und hält an. Auf dem Touchpanel erscheint die Aufforderung zum Auflegen des Deckblatts.

  3. 3

    Deckblatt wie eine Kappe auflegen

    Das Deckblatt wird jetzt über die bereits gewickelte Palette gelegt. Sein Rand hängt außen über die vorhandene Folienwicklung herunter.

  4. 4

    Deckblatt einwickeln

    Nach dem Fortsetzen des Programms fährt der Folienlift wieder nach oben und befestigt den außen liegenden Rand des Deckblatts mit der Folienwicklung.

  5. 5

    Geschützte Überlappung bilden

    Zwischen dem Deckblattrand und der ersten, bereits geschlossenen Wicklung entsteht eine kleine Tasche. Wasser kann höchstens in diese Überlappung gelangen; die innere Wicklung verhindert, dass es weiter bis an das Packgut zieht.

Spiralwicklung + Deckblattprogramm

Das Programm endet nach der erneuten oberen Kopfwicklung.

Kreuzwicklung + Deckblattprogramm

Nach der oberen Kopfwicklung fährt der Folienlift wieder spiralförmig bis nach unten.

Zusätzliche Option

Was macht ein Niederhalter?

Ein Niederhalter fixiert leichte, instabile oder ungleichmäßig aufgebaute Packgüter während des Wickelvorgangs von oben. Vor dem Wickeln fährt er auf das Packgut ab; erst danach startet das gewählte Spiral- oder Kreuzwickelprogramm.

Bei extrem leichten Packgütern kann diese zusätzliche Fixierung erforderlich sein. Sie verhindert, dass einzelne Teile oder Halbzeuge beim Anlegen der Folie angehoben, verschoben oder vom Packgut heruntergezogen werden.

Beim Deckblattprogramm fährt der Niederhalter zum Auflegen des Deckblatts automatisch nach oben. Nach dem erneuten Start senkt er sich wieder ab und fixiert Packgut und Deckblatt für den weiteren Wickelprozess.

Spiralwicklung mit abgesenktem Niederhalter auf dem Packgut
Spiralwicklung mit NiederhalterDer Niederhalter liegt von oben auf dem Packgut auf, während der Folienlift nach oben fährt.
Kreuzwicklung mit abgesenktem Niederhalter auf dem Packgut
Kreuzwicklung mit NiederhalterDas Packgut bleibt von oben fixiert, während der Folienlift nach oben und anschließend wieder nach unten fährt.

Individuelle Abstimmung

Das Programm muss zum Packgut passen.

Form, Gewicht, Stabilität, Oberfläche und gewünschter Schutz bestimmen den richtigen Ablauf. HEUER & SOHN stimmt Programme, Folienvordehnung und Anlegespannung auf die jeweilige Anwendung ab.