Folienauswahl für Ihren Stretchwickler

Stretchfolien-Ratgeber

Welche Folie ist die richtige? Entscheidend sind das Wickelsystem, die Eigenschaften Ihres Packguts und die nachgewiesenen Eigenschaften der konkreten Folie.

HEUER & SOHN entwickelt und baut Stretchwickelmaschinen. Wir produzieren und verkaufen keine Stretchfolien. Dieser herstellerneutrale Ratgeber hilft Ihnen, eine passende Folie bei Ihrem Folienlieferanten anzufragen.

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HEUER Touch 30 mit geregelter Vordehnung als Beispiel für einen Maschinenstretchwickler
Folie, Wickelsystem und Packgut aufeinander abstimmen.

Material und Einsatz

Folienarten im Überblick

Der Handelsname allein reicht nicht aus. Standard, Power und Super-Power beziehungsweise High Performance sind keine einheitlich genormten Leistungsklassen. Daraus lässt sich kein allgemein verbindlicher Vorreckwert ableiten. Maßgeblich sind das Datenblatt der konkreten Folie, ihre Stärke und die Freigabe für Ihre Anwendung.

Standard-Maschinenstretchfolie

Eigenschaften
Maschinenfolie für den jeweils angegebenen Verarbeitungs- und Vorreckbereich. Rezeptur, Stärke und mechanische Eigenschaften unterscheiden sich je nach Produkt.
Typischer Einsatz
Wiederkehrende Wickelaufgaben, wenn Folie, Wickelsystem und Ladung zusammenpassen.
Vorteil
Eine mögliche Ausgangsbasis für die Auswahl und praktische Erprobung.
Grenze
Die Bezeichnung bestätigt weder die Eignung für hohe Vorreckwerte noch für besonders anspruchsvolle Ladungen.

Power-Stretchfolie

Eigenschaften
Als Power angebotene Produkte sind häufig für leistungsfähige maschinelle Vorrecksysteme vorgesehen. Die nutzbare Vorreckung bleibt produktspezifisch.
Typischer Einsatz
Wickler mit Vorrecksystem, wenn das Datenblatt den eingestellten Bereich abdeckt.
Vorteil
Kann eine materialeffiziente Verarbeitung bei passenden Einstellungen ermöglichen.
Grenze
Power-Folien unterschiedlicher Hersteller müssen nicht dieselbe Dehnfähigkeit, Rückstellkraft oder Durchstoßfestigkeit besitzen.

Super-Power- und High-Performance-Stretchfolie

Eigenschaften
Handelsbezeichnungen für Folien mit einem besonderen Leistungsprofil, etwa für hohe Vorreckung, geringe Materialstärke oder erhöhte mechanische Anforderungen.
Typischer Einsatz
Anspruchsvolle Wickelaufgaben und aufeinander abgestimmte Kombinationen aus Folie, Maschine und Packgut.
Vorteil
Kann bei nachgewiesener Eignung geringere Folienmengen ermöglichen.
Grenze
Dünner oder höher vorreckbar bedeutet nicht automatisch besser. Für die tatsächlich verwendete Stärke sind geeignete Materialdaten und Probewicklungen erforderlich.

Bereits vorgedehnte Stretchfolie

Eigenschaften
Pre-Stretch-Folie wurde bereits vor der Verarbeitung beim Kunden gedehnt. Ihre noch verfügbare Dehnreserve ist daher gesondert zu betrachten.
Typischer Einsatz
Je nach Ausführung für Handwicklung oder Maschinen ohne eigenes Vorrecksystem.
Vorteil
Kann eine Verarbeitung mit geringem zusätzlichem Kraftaufwand unterstützen.
Grenze
Für den Einsatz auf Maschinen mit Vordehnung ist eine ausdrückliche Eignungsbestätigung des Folienlieferanten erforderlich.

Spezialstretchfolien

Eigenschaften
Zum Beispiel Folien mit UV-Stabilisierung, antistatischer Ausrüstung, Einfärbung oder besonderen Oberflächeneigenschaften.
Typischer Einsatz
Anwendungen mit zusätzlichen Anforderungen an Lagerung, Kennzeichnung oder Verarbeitung.
Vorteil
Eine gezielt ausgewählte Zusatzeigenschaft kann die jeweilige Verpackungsaufgabe unterstützen.
Grenze
Die Zusatzfunktion sagt noch nichts über Vorreckbarkeit oder Ladungsstabilität aus. Einsatzbedingungen und erforderliche Nachweise mit dem Lieferanten klären.

Handstretchfolie und Maschinenstretchfolie

Handstretchfolie ist für das manuelle Abrollen und Anlegen vorgesehen. Maschinenstretchfolie muss zur Rollenaufnahme, zum Folienabzug und zu den Betriebsbedingungen des Wicklers passen. Rollenabmessungen, Gewicht und Verarbeitungseigenschaften sind deshalb beim Einkauf anzugeben. Eine Handfolie ist nicht allein deshalb maschinengängig, weil sie dieselbe Breite besitzt.

Zwei unterschiedliche Dinge: Eine bereits vorgedehnte Folie bringt einen Teil ihrer Dehnung aus der Herstellung mit. Eine Folie für ein maschinelles Vorrecksystem muss die vorgesehene Dehnung dagegen während des Wickelns zuverlässig aufnehmen können.

Länge und Materialeinsatz

Was bedeuten 100, 200 oder 300 Prozent Vorreckung?

Der Prozentwert beschreibt die zusätzliche Länge bezogen auf die ursprüngliche Folienlänge. Bei 200 Prozent Vorreckung kommen zu einem Meter Ausgangslänge zwei Meter hinzu: Aus einem Meter werden insgesamt drei Meter.

Rechnerische Längenänderung, ohne zusätzliche Dehnung zum Packgut
VorreckungAus 1 m werdenLängenfaktor
100 %2 m2
200 %3 m3
300 %4 m4
350 %4,5 m4,5

Für dieselbe aufgebrachte Folienlänge wird bei höherer Vorreckung rechnerisch weniger Ausgangsfolie von der Rolle benötigt. Daraus folgt aber keine feste Einsparung für jede Palette: Breitenabnahme, Überlappung, zusätzliche Wicklungen, Folienrisse und die erforderliche Stabilisierung beeinflussen den tatsächlichen Verbrauch.

Vorreckung und Ladungssicherung sind nicht gleichzusetzen. Entscheidend ist das Zusammenwirken von Folienkräften, Lagenanzahl, Wickelbild und Packgut. Ein höherer Vorreckwert kann die Folie stärker beanspruchen, ohne dass die Ladeeinheit dadurch besser gesichert wird.

HEUER Touch 30

Die Folie muss zum Wickelsystem passen

Folienabzug über Elektromagnetbremse

Die Bremse wirkt dem Folienabzug entgegen. Der daraus entstehende Zug wird beim Anlegen auf das Packgut übertragen. Die passende Folie muss mit diesem Abzug und der benötigten Anlegespannung verarbeitet werden können.

Bereits vorgedehnte Maschinenfolie kann je nach Freigabe eine Option sein. Ihre Eignung ist ebenso zu prüfen wie die einer nicht vorgedehnten Maschinenfolie.

Geregelte Vordehnung (GVD)

Bei unserer GVD wird die Folie zwischen zwei Walzen vorgereckt. Maschinenseitig sind 100 bis 350 Prozent einstellbar; die Anlegespannung zum Packgut wird gesondert eingestellt.

Dieser Einstellbereich ist eine Maschineneigenschaft und keine Freigabe für jede Folie. Der Lieferant muss die konkrete Folie für den tatsächlich gefahrenen Wert und die Anwendung als geeignet bestätigen.

Pre-Stretch ist keine automatische GVD-Freigabe. Eine bereits vorgedehnte Folie kann nur eine begrenzte zusätzliche Dehnreserve besitzen. Vor dem Einsatz im GVD-System sind die zulässige weitere Vorreckung und die Verarbeitung mit dem Folienlieferanten abzustimmen.

Wickelsysteme im Vergleich

Nicht nur die Mikrometerzahl zählt

Welche Folieneigenschaften sind wichtig?

Anlegespannung
Sie beschreibt den Zug beim Anlegen der Folie an das Packgut. Die Einstellung muss zur Druckempfindlichkeit und Stabilität der Ladung passen. Ein hoher Wert ist nicht für jede Ware sinnvoll.
Rückstellkraft und Kraft über die Zeit
Die gedehnte Folie neigt dazu, sich wieder zusammenzuziehen. Wie viel Kraft sie dabei ausübt und über die Zeit behält, hängt vom Material und der Beanspruchung ab. Diese Eigenschaften sind von der momentanen Anlegespannung zu unterscheiden.
Durchstoßfestigkeit
Kanten und vorstehende Teile beanspruchen die Folie örtlich. Die Widerstandsfähigkeit gegen Durchstoßen ist deshalb ebenso relevant wie ihre Dehnfähigkeit. Ein Laborwert ersetzt die Prüfung an den tatsächlichen Ladungskanten nicht.
Folienstärke
Die Ausgangsstärke beeinflusst den Materialeinsatz. Sie beschreibt für sich allein weder die Haltewirkung noch die Widerstandsfähigkeit nach dem Vorrecken. Unterschiedliche Rezepturen gleicher Stärke können sich verschieden verhalten.
Folienbreite
Zu unterscheiden sind die Breite auf der Rolle, nach den Vorreckwalzen und am Packgut. Die Bahn kann beim Dehnen schmaler werden. Für Überlappung und Wickelbild zählt die tatsächlich am Packgut anliegende Breite.
Haftseite
Die Haftung zwischen den Folienlagen unterstützt den Zusammenhalt der Wicklung. Einseitig haftende oder außen gleitende Ausführungen müssen passend zur Abrollrichtung eingesetzt werden. Die gewünschte Haftseite beim Lieferanten angeben.

Verbrauch und Kosten vergleichen

Was der Folienrechner berücksichtigt

Der Rechner stellt denselben modellierten Wickelablauf mit und ohne geregelte Vordehnung gegenüber. Sicherungs-, Fuß-, Steige-, Kopf- und gegebenenfalls Abwärtswicklung sowie die abschließende Positionierfahrt werden beim Verbrauch mitgezählt.

Die Referenzbreite nach den Vorreckwalzen ist von der Breite am Packgut zu unterscheiden. Das Modell lässt die Bahn durch die nachfolgende Anlegespannung nicht wieder breiter werden. Die verwendeten Breitenannahmen sind keine gemessenen Kennlinien für eine bestimmte Folie.

Die Folientyp-Auswahl im Rechner dient der Modellierung. Sie ersetzt weder ein technisches Datenblatt noch die Freigabe für einen Vorreckwert. Das gilt besonders für bereits vorgedehnte Folien.

Preis pro Kilogramm statt allein pro Rolle

Rollenpreise sind nur auf vergleichbarer Grundlage aussagekräftig. Folienmenge und Rollenabmessungen können unterschiedlich sein. Für den Materialvergleich ist der Preis je Kilogramm reiner Folie hilfreich; das Hülsengewicht ist kein Foliengewicht.

Im Rechner wird das Foliengewicht aus Länge, Ausgangsbreite, Stärke und Materialdichte ermittelt. Auf das Packgut aufgebrachte Folie enthält selbstverständlich keine Papphülse. Die Preisgrundlage kann zwischen Euro pro Kilogramm und Euro pro Rolle umgeschaltet werden.

Für die Einkaufsentscheidung lassen Sie sich zusätzlich das tatsächliche Nettofoliengewicht und die Abrechnungsgrundlage nennen. Ist eine Hülse im Rollenpreis enthalten, ist das bei einem Preisvergleich zu berücksichtigen.

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Vorbereitung Ihrer Folienanfrage

Welche Angaben benötigt mein Folienlieferant?

Technisches Datenblatt anfordern: Lassen Sie sich die geeignete Vorreckung für die konkrete Folienstärke, Dehnfähigkeit, Rückstell- beziehungsweise Kraftverhalten und die relevanten mechanischen Eigenschaften nennen. Fragen Sie auch nach den Prüfbedingungen und der Eignung für Ihr Wickelsystem. Vereinbaren Sie eine Probewicklung mit Ihrer tatsächlichen Ladung.

Orientierung für die Auswahl, keine Zusage für das Ergebnis

Alle Angaben zur Folienauswahl und alle Ergebnisse des Folienverbrauchsrechners sind unverbindliche Orientierungs- und Schätzwerte. Folienqualität, Maschineneinstellungen, Ladungsgeometrie und Umgebungsbedingungen können die tatsächlichen Ergebnisse erheblich verändern. Stimmen Sie die endgültige Folienauswahl und die erforderliche Ladungssicherung mit Ihrem Folienlieferanten und gegebenenfalls durch praktische Prüfungen ab.